Irrtum 1: Weblogs funktionieren ohne
Spielregeln.
Weblogs funktionieren nach klaren Spielregeln. Wer
jedoch Blogger liest und Weblogs studiert, erfährt dort
früher oder später, dass es beim Bloggen keine festen
Regeln gäbe. Alles sei möglich und erlaubt. Im
virtuellen Blogger-Land der unbegrenzten Möglichkeiten
wird mancher Trugschluss daraus abgleitet und dann auch
anderen Leser womöglich weitergegeben. Das erleben wir
immer wieder.
Nun, die erwähnten unendlichen Freiheiten mögen für
private Blogger und Autoren eines Online-Tagebuches in
weiten Grenzen gelten. Sobald ein Blogger aber ein
konkretes Ziel mit seinem Weblog im Sinn hat und nicht
mehr nur zufällig für seine Freunde schreibt, unterliegt
er den völlig normalen Gesetzmäßigkeiten von Blogs. Kein
Blog existiert im luftleeren Raum ohne Fundament.
Betreibt ein Autor darüber hinaus sein Blog aus
beruflichem Hintergrund, sieht er sich einer Reihe von
ungeschriebenen Spielregeln gegenüber.
Egal, ob es die Kommentare, die Trackbacks, die
Kommunikation im Allgemeinen oder die
Veröffentlichungsfrequenz betrifft, selbst die
Blog-Struktur, die URLs, das
Design oder den Schreibstil beeinflussen das kurz,
mittelfristig oder langfristige Ergebnis eines Blogs zum
Teil entscheidend. Praktisch haben alle Details des
Blogbetriebes Gewicht. Wer diese ungeschriebenen
Spielregeln beachtet, nutzt die Potenziale der Weblogs
effektiv und überlässt das Ergebnis nicht dem Zufall.
Irrtum 2: Weblogs kommunizieren wie im
realen Leben.
Blogger kommunizieren anders, Unternehmer auch. Diese
schmerzliche Erkenntnis gewinnen Blogger im Kontakt mit
Unternehmern immer wieder. Zwar mag man meinen, dass
dies auch immer andersrum so wäre. Die Praxis offenbart
mir aber leider oft das Gegenteil. Warum? Die
Kommunikations-Gepflogenheiten des Alltags werden von
Unternehmen oft 1:1 in auf die Weblog-Kommunikation
übertragen. Missverständnisse und Inkompatibilitäten
sind vorprogrammiert.
Weblogs funktionieren eben wie das normale Leben. Ja,
und deshalb meist völlig anders als der Business-Alltag.
Bevor sich der Unternehmer in der Regel klar darüber
werden kann, steht er bereits im Fettnapf. Er mag zwar
ein Weblog betreiben, jedoch macht sich rasch deutlich,
dass lediglich das Schild an der Tür ähnlich ausschaut,
nicht aber die Lebensfreunde und Wohnkultur im Haus
genau so gepflegt wird.
Die Kunden-Kommunikation unterliegt in vielen
Unternehmen einfach (noch) anderen Wertmaßstäben und
Grundsätzen. Transparenz, Authentizität und
Glaubwürdigkeit werden vielfach anders definiert,
gehandhabt und gelebt. Es mich wundert nicht, dass
gerade in Deutschland so viele Berührungsängste beim
Umgang mit Weblogs anzutreffen sind.
Irrtum 3: Weblogs kann man nebenbei
betreiben.
Das bisschen Bloggen machen Sie spielend nebenbei.
Verfolgt man bekannte Weblogs ein Zeit lang, muss man in
der Tat zur Erkenntnis kommen, dass eben das Bloggen
kinderleicht ist und sich quasi wie von selbst nebenbei
erledigt. Eine Vielzahl von Beiträgen wird pro Woche
oder gar Tag veröffentlicht. Fast hat man Mühe, der
Veröffentlichungsfrequenz zu folgen.
Unverständliche Blicke erntet derjenige, der seinen
tatsächlichen Zeitbedarf und sein Engagement in Stunden
frei kommuniziert. Erwarten wir nicht oft genug, dass
der Betrieb eines Weblogs eben wegen den Irrtümern fast
von allein vonstatten geht? Das kann doch mal nicht so
aufwändig und schwer sein, oder? Zugegeben, manches
halbherzig begonnene Weblog kommuniziert auch diesen
Eindruck.
Ein inhaltliches Konzept mögen aus diesen Gründen
viele Blog-Interessierte für nicht notwendig erachten.
Ganz zu schweigen von einem Redaktions- oder
Veröffentlichungsfahrplan, mindestens aber einem
Grobkonzept und einer definierten Zielstellung für die
ersten Wochen des Projektes. Und gewiss werden die
Wenigsten eine feste Internet-Strategie ihr Eigen
nennen, mit der sie bereits am Anfang das Ende im Visier
haben und fest darauf zu arbeiten.
Irrtum 4: Weblogs schreiben kann jeder
gleich gut.
Weblogs schreiben kann jeder. Bloggen muss niemand
lernen. Bloggen ist eine Tätigkeit, die jeder von Hause
aus bereits kann, so ein verbreiteter Irrglaube. Die
Praxis lehrt mir immer wieder andere Erkenntnisse. Woran
liegt das und warum ist das so? Schreiben können doch
die meisten Menschen?
Nicht alle Menschen können sich schriftlich gleich
gut ausdrücken. Erst recht nicht, wenn diese Worte
sofort im nächsten Moment alle Menschen rund um den
Erdball lesen können. Ein gewisses Maß an
Extrovertiertheit gehört schon dazu, diese Schwelle zu
überspringen. Doch nicht nur das. Schreiben muss / kann
man lernen, denn Schreiben ist eine Fertigkeit. Das
Schreiben bedarf zur Ausbildung der Übung und kann durch
selbige vervollkommnet werden.
Nicht jeder der Schreiben kann, bloggt auch gleich
gut. Während es auf den ersten Blick jedem in die Wiege
gelegt sein mag, spielen zwei Aspekte eine herausragende
Rolle. Online zu schreiben erfordert eine andere
Aufbereitung der Information als bei Offline-Medien. Das
bekommen auch immer wieder Journalisten zu spüren. Zudem
ist das Bloggen eine interaktive Kommunikation im
Dialog, keinen Einbahnstraße. Hier kommt die
Kommunikation mit vielen Facetten ins Spiel und lässt
sehr rasch gewaltige Unterschiede deutlich werden. Leser
wollen umworben, hofiert und mit Interessen gebunden und
gehalten werden.
Irrtum 5: Weblogs ziehen Kunden von Hause
aus an.
Wer einige gute Artikel schreiben kann, macht damit
sein Weblog längst nicht sofort zum Publikums-Renner.
Der Schreibstil und das Content-Konzept sind zwei
wichtige Schlüssel zum Erfolg eines Business-Weblogs.
Kein Business-Blog ist erfolgreich, dass lediglich
Presseinformationen und sonstige
Unternehmens-Informationen 1:1 in das Weblog stellt und
veröffentlicht. Mal ganz abgesehen von der
mediengerechten, gut und schnell lesbaren Aufbereitung
des Materials. Auch ein Online-Terminkalender mit
Verkaufsofferten entwickelt das Weblog nicht zum
Kundenmagneten, dass Leser anzieht, andere Leser
interessiert und einlädt.
Ein ungeschickter Schreibestil kann zudem
Interaktivität im Keim bremsen oder gar ersticken, ein
aktivierte Kommentarfunktion vorausgesetzt. Belebend und
interessant geschrieben kann sich ein Schreibstil das
Weblog aber auch förmlich aus der Masse herausheben und
im Einzelfall selbst zum Markenzeichen werden. Eine
Beachtung der ungeschriebenen Spielregeln macht hier
viel aus und entscheidet sehr oft zwischen Erfolg und
Flop. Die Potenziale auf diesem Gebiet scheinen mir
derzeit bei der Beachtung all der übrigen Hinweise enorm
vielfältig zu sein, wie ein ungehobener Schatz.
Irrtum 6: Weblogs vermarkten sich selbst.
Die wenigsten Leser finden ein interessantes Weblog
von allein. Die Blogstudie 2007 hat dies wiederum klar
dokumentiert. Ein Weblog bedarf der aktiven Vermarktung
außerhalb des Weblogs, damit es bekannt werden kann.
Wichtige funktionelle Elemente der Weblogs unterstützen
dies. Sie entfalten aber erst bei richtiger Nutzung Ihre
Potenziale im vollen Umfang.
Kommentare sind das Salz in der Blog-Suppe. Über den
Absender-Link eines Kommentare in anderen Weblogs finden
und besuchen neue Leser Ihr Weblog. Ebenso wird der
Betreiber aufmerksam und stiftet eventuell dadurch
Synergie und schreibt über Ihr Blog. Aber auch die
Verwendung von Trackbacks und eine rege Verlinkung
benötigt etwas Zeit und längerfristiges Engagement, denn
jeder Link ist auch gleichzeitig eine Empfehlung von
dem, der ihn setzt.
Interesse bei anderen Bloggern und Einträge in
Blogrolls folgen in der Regel dann, wenn die Inhalte des
neuen Blogs zur Stammliteratur von anderen Bloggern
werden. Empfehlungen dieser Art sind schwerer zu
bekommen und freiwillige Anerkennung. Kein echter
Blogger lässt sich dazu verleiten, diese Verlinkungen
leichtfertig zu setzen.
Blog-Marketing in eigener Sache gehört also
grundlegend zum Portfolio jedes Bloggers. Er sollte
nicht nur schreiben, sondern ebenso Mitglied der
Community werden. Wie anders kann er die Gemeinschaft
bloggender Menschen verstehen und virtuelles Netzwerkeln
für sich anwenden. Zeit und Engagement ist also auch
hier erforderlich, denn die Erfolge und die Beliebtheit
kommt selten über Nacht und wächst von ganz allein.
Blogerfolge sind immer Zeichen harter Arbeit, auch wenn
man diese später nicht mehr sieht.
Irrtum 7: Weblogs haben den
Google-Magneten bereits eingebaut.
Kein Weblogs hat den Google-Autopiloten von Haus aus
schon eingebaut. Das Gerücht darüber hält sich indes
hartnäckig. Tatsache ist jedoch: als Grundvoraussetzung
bringen Weblogs viele Eigenschaften mit, die Google so
sehr liebt. Aktuellen und immer frischen neuen Content,
häufigen Veröffentlichungen, interaktive Kommunikation
und nicht zu vergessen eine intensive virtuelle
Vernetzung.
Dennoch beeinflussen viele Faktoren die Effektivität
von Weblog entscheidend. Design-Templates sind dank
zusätzlicher Optimierungsmaßnahmen meist noch optimaler
und suchmaschinenfreundlicher einstellbar. Das Design
der URL-Struktur, der
Schreibstil, super interessante Titel von
Weblog-Beiträgen beeinflussen aber ebenso die
Suchmaschinenergebnisse wie die Struktur und der Aufbau
des Weblogs und des Blog-Templates.
Drei Faktoren in einer Einheit bedingen sehr
wesentlich die Suchmaschinen-Erfolge eines Weblogs:
Aktualität, interne Weblog-Optimierung und externe
virtuelle Verlinkung. Und so mag es auch nicht
verwunderlich sein, dass ein Besucherstrom von 10
Prozent bei weniger suchmaschinenfreundlichen und bis
ca. 90 Prozent bei effektiven Weblogs allein von den
Suchmaschinen der Lohn ist. Google steuert dabei als
Marktführer und Besucherlieferant Nr. 1 in der Praxis
allein ca. 80-95 Prozent der Besucheranteile bei.
Irrtum 8: Weblogs funktionieren auch ohne
Authentizität.
Weblogs kommunizieren durch interaktiven Dialog,
gesteuert durch die personenzentrierte Veröffentlichung
der Autoren. Die vom Leser wahrgenommene Authentizität
(Echtheit, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit) wird als
eines der Schlüsselelemente der Weblogs zur
Grundvoraussetzung der Kommunikation. Ein erfolgreiches
Weblog ohne diese Eigenschaft wird schwer, wenn nicht
unmöglich, da die Akzeptanz beim Leser ausbleiben wird.
Die Leser erleben die Persönlichkeit des Schreibers
und Autoren in einer Gesamtheit der Wahrnehmung
unterschiedlicher Facetten, Meinungen und Tatsachen wie
nie zuvor bei einer Website. Deren Stimmigkeit und
langfristige Konstanz wirkt subjektiv auf jeden Leser
anders und kann vom Autor in der Endkonsequenz nur in
bestimmtem Umfang gesteuert werden. Die Glaubwürdigkeit
des Schreibers wirkt unmittelbar und entscheidend auf
die Akzeptanz und damit den Erfolg des Weblogs.
Irrtum 9. Weblogs kann man Kommunikation
kontrollieren.
Weblogs sind spontane Meinungsmedien, die keiner
zentralen Kontrolle unterliegen. So sehr sich manche
Unternehmen die Kontrolle der Kommunikation in ihrem
Sinne auch wünschen und befürworten würden. Die fehlende
Kontrolle der Kommunikation hat gerade maßgeblich zum
Erfolg des Weblog-Phänomens und dessen weltweiten
Verbreitung beigetragen.
Der Autor hat mit dem Medium Weblog zur
Veröffentlichung eine Freiheit erlangt, die bis dato nur
Webmastern oder Verlagen vorbehalten war. Blogger
entscheiden aus eigenem Ermessensspielraum, wann sie
was, über wen, wie und in welcher Form und Umfang
veröffentlichen. Sie lassen sich nicht steuern und nur
im Rahmen ihrer eigenen Ethik und Schreibkultur zu
Veröffentlichungen stimulieren.
Auch wenn bei Business-Blogs die beruflich bedingte
Zielstellung dominiert, so setzt dies die Freiheit der
Berichterstattung keineswegs außer Kraft.
Multi-Autoren-Blogs von Unternehmen werden nur
erfolgreich arbeiten können, wenn die Grundprinzipien
der freien Meinungsäußerung unter Beachtung der
Geheimhaltung, Sorgfalt und Etikette des jeweiligen
Unternehmens nicht in Frage gestellt sind.
Vertrauensvolle interne Kommunikationskultur ist hier
der Schlüssel zum Erfolg.
Irrtum 10: Kostenfreie Weblog-Lösungen
sind die Besten.
Was nichts kostet, ist nichts wert. Diese alt
bewährte Lebensweisheit erfährt früher oder später jeder
Blogautor, wenn er aus seiner (Aus-)Probier-Phase
herauswächst. Je ausgeprägter seine Zielstellung, je
markanter die Marke, je individueller das Business-Blog
sein und bei den Lesern wahrgenommen werden soll, desto
schwerer lassen sich die Grenzen der kostenfreien
Weblog-Lösungen tolerieren. Was zunächst dem Autor
Freiheiten gibt, wird früher oder später zur Begrenzung
bei der Weiterentwicklung eins erfolgreichen Weblogs.
Welcher Unternehmer investiert in ein Projekt, bei
dem ihm von Beginn an Grenzen gesetzt werden? Solange
der dabei entstehende Nutzeffekt einkalkuliert wird, mag
dies gehen. Doch auch gestandene Business-Blogs haben es
heute schwer, ohne Verlust der interaktiven Verlinkung
und ohne Einbruch der Besucherströme einen Umzug
erfolgreich zu bewältigen. Fehlende oder ungenügende
Suchmaschinenfreundlichkeit lässt zum Beispiel selbst
fremdgehostete Typepad-Weblogs ihre wahren Potenziale
nicht komplett entfalten.
Nicht zuletzt mag jeder wirklich ernsthafte
Business-Blogger folgende Apsekte bedenken: Aus der
immer größer werdenden Masse der Weblogs sticht nur ein
Blog heraus, das durch Konzept, Gestaltung/Design und
Schreibstil einen echten Nutzwert bietet. Wachsen die
täglichen Besucherströme erst einmal, steigt damit der
Hosting-Traffic und die Anforderungen an das Hosting im
selbem Umfang. Ebenso erfordern weblogspezifische
Funktionen für Ihren Betrieb Ressourcen.
Spätestens dann wird eine Entscheidung zur
Eigenständigkeit anstehen, um einen weiteren
erfolgreiche Betrieb sicher zu stellen. Letztlich werden
zu diesem Zeitpunkt auch die Nutzeffekte und der
ROI für den Betreiber immer
größer. Wie groß der Schaden durch Anpassungen und
Abbrüche in der Entwicklung sein wird, kann hier nur
grob im Einzelfall abgeschätzt werden.
Wer von Beginn an auf eine eigenständige Blog-Lösung
setzt hat obendrein die Chance, von Beginn an das
Business-Blog als separate Seite wie als homogenen und
integralen Bestandteil der Webpräsenz aufzubauen. Ein
Effekt, der vielfach wenig bedacht wird und große
Effekte bringen kann.
Anregung, Nachdenken & Diskussion?
An dieser Stelle endet meine Liste der
Weblog-Irrtümer. Ich habe die zehn Anmerkungen
insbesondere mit dem Blick auf Business Blogs
geschrieben, die an deutlichen und abrechenbaren
Erfolgen gemessen werden. Das so umfassend und
facettenreich gestaltete Thema
Weblog ist teilweise umstritten und viel
diskutiert. Meine eigenen persönlichen Erfahrungen haben
ebenso Pate gestanden wie viele Weblog-Beiträge und
Gespräche zu diesem Thema. Erfreut bin ich, wenn die 10
Tipps:
- Anregungen geben,
- Nachdenken auslösen und
- Diskussionen in Gang bringen.